Im August des letzten Jahres nahm Joachim Marquardt, Extremradfahrer aus Herrenberg und Geschäftsführer von Marquardt Immobilien, an dem härtesten und anspruchsvollsten Radrennen Europas teil, dem Race Around Austria (RAA). Marquardt absolvierte die 2.200 km lange Strecke mit sagenhaften 30.000 Höhenmetern in der vorgegebenen Zeit und war damit einer von nur zehn Teilnehmern, die es ins Ziel schafften. Für ihn sind Extreme die Norm, und trotzdem bewegt auch einen wie ihn das extreme Jahr seit Beginn der Pandemie. Hier hat er für uns seine Gedanken aufgeschrieben.

Im August des letzten Jahres nahm Joachim Marquardt, Extremradfahrer aus Herrenberg und Geschäftsführer von Marquardt Immobilien, an dem härtesten und anspruchsvollsten Radrennen Europas teil, dem Race Around Austria (RAA). Marquardt absolvierte die 2.200 km lange Strecke mit sagenhaften 30.000 Höhenmetern in der vorgegebenen Zeit und war damit einer von nur zehn Teilnehmern, die es ins Ziel schafften. Für ihn sind Extreme die Norm, und trotzdem bewegt auch einen wie ihn das extreme Jahr seit Beginn der Pandemie. Hier hat er für uns seine Gedanken aufgeschrieben.

„In St. Georgen im Attergau ging es um Punkt 20.36 Uhr an den Start. Nur 15 Radfahrer nahmen an dem Ultrarennen überhaupt teil, einer davon Christoph Strasser, sechsmaliger Sieger des Race Across America und der beste Ultrafahrer der Welt.
Strasser hat mich im Lauf des Rennens überholt, obwohl er 24 Stunden nach mir gestartet ist, das ist eine Leistung, die fast schon übermenschlich ist.

© Sportfotograf
Ich bin mir sicher, dass es ein sportlich gutes Jahr wird.

Die ersten eher flachen 500 Kilometer der Strecke führten durch Ober- und Niederösterreich, dann durch das Burgenland. Das Gefühl des Teams war zunächst gut, doch die Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten. Bei der ersten Zeitkontrolle nach 870 Kilometern war ich zwar eine Stunde schneller als gefordert, aber dadurch stieg der Druck auch in den Bergen Spitzenzeiten zu liefern. Besonders der Anstieg des Großglockners, mit einer Länge von 48 Kilometern, hat es in sich. Nach 1.660 Kilometern hatte ich bereits einen Zeitvorsprung auf das Soll von fünf Stunden rausgefahren.

Nach sechs Tagen erreichte ich um 4.20 Uhr in der Nacht das Ziel – innerhalb der vorgegebenen Zeit als einer von nur zehn Fahrern.

Nach dem RAA hatte ich sowas von keine Lust mehr auf die Straße. Asphalt bei Höllenverkehr, bei Regen und bei Höllenverkehr mit Regen. Und die elenden Nächte, in denen man fährt, bis nix mehr geht. Jetzt mit einem guten halben Jahr Abstand erscheint es nicht mehr so schlimm – wie immer. Mit dem erfolgreichen Abschluss des RAA in einer bestimmten Zeit hatte ich das Ticket für das größte Rennen schlecht hin – das RAAM, das Race Across Amerika – in der Tasche, das man in den zwei darauffolgenden Jahren einlösen konnte. Also dieses Jahr mal sicher nicht …

© Heiko Mandl

Seit dem 17.08.2020 – Zielankunft beim RAA frühmorgens – fuhr ich keine Kilometer mehr auf der Straße, aber viele Kilometer im Gelände – querbeet. Das erklärte Ziel für 2021 war: mehr ins Gelände und den Asphalt reduzieren.

Eigentlich sollte es auch für mich ein Jahr mit mehr Offroad und Gravel-Events werden. Sprich mehr unterwegs mit dem MTB oder dem Gravel-Bike. Die Liste las sich verlockend: neben einigen MTB-Rennen in unserer Region, sollte es das erste Mal mit dem Offroad-Bike über mehrere Tage bei Rennen durch Europa gehen. Gleich zu Beginn im April traf es die Schönbuch-Trophy, das lokale MTB-Event im naheliegenden herrlichen Schönbuch. Bei dem wir mit unserem Unternehmen noch Sponsor sind um den Sport und die Region, gerne auch in Kombination unterstützen. Es hätte eine gute Veranstaltung im April werden sollen … hätte, hätte – Fahrradkette. Und so ging es gerade weiter, eine Absage nach der anderen wurde verschickt.

Die Planung dieses Jahr ist sicher schwierig, wann geht es wieder einigermaßen normal weiter. Wir, die Ausdauersportler sind ja eher gut durch die Krise gekommen. Zumindest das Training war nahezu uneingeschränkt möglich, Trainingspläne konnten gut umgesetzt werden. Und so trainierte ich unter Anleitung von HYCYS durch das Jahr und den Winter.

Wenn möglich fand das Training draußen statt, mit dem MTB und neuerdings gerne mit dem Gravel. Und wenn es zu eklig war ging es auf die „Rolle“. Vor allem die Ausfahrten mit dem Gravelbike – zugelegt im Sommer 2020 machten richtig Spaß: weg von der Straße ab ins Gelände. Der Vorteil des Graveln liegt klar auf der Hand: sportliche, rennradorientierte Geometrie mit robustem Rahmen und einer breiteren und gröberen Bereifung.

Die Reisegeschwindigkeit liegt natürlich unter dem Rennrad jedoch über dem Mountainbike. Vor allem sind auch Passagen mit Asphaltbelag problemlos und zügig befahrbar. Ich war begeistert und meldete ich mich auf den Herbst 2020 bei verschiedenen Gravelevents an, die allesamt abgesagt wurden.

Mit dem Gravelbike oder auch MTB verbindet man mehr Abenteuer, daher ist der Sprung zum unsupported Rennen bzw. Event nicht mehr weit. Sozusagen in greifbarer Nähe, und man hat alles was man so braucht für eine längere Distanz dabei. Schlafsack, Isomatte, zuweilen ein Zelt. Und das alles verstaut in Taschen – Bikepacking nennt man das. Begeisterung machte sich breit. Die Kombi war super: unsupported unterwegs im Gelände mit dem MTB oder dem Gravelbike.

Die ersten Erfahrungen macht ich bereits vor etlichen Jahren bei Reisen mit dem MTB quer durch Spanien und einem großen Rucksack. Nicht wirklich ideal, aber da waren die Ausstatter noch nicht so weit. Heute gibt es von vielen guten Firmen maßgeschneiderte Taschen für das Rad in denen das komplette Equipment verstaut, und der Rücken geschont wird.

Beginnen sollte diese Saison mit einem außergewöhnlichen Rennen in Marokko: das Atlas Mountain Race (AMR) – der Start in Marrakesch 1100 km quer über das Atlasgebirge mit dem Ziel in Agadir. Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Das Material wurde getestet, auf Strecken in Deutschland bei Wind und Wetter, …. und dann erreichte mich die Absage. Eigentlich wollte ich in dieser Ausgabe zu diesem intensiven Rennen auf einem anderen Kontinent berichten … eigentlich, schon wieder das Wort! Das AMR hat der Veranstalter auf den Oktober verschoben – ich bin angemeldet.

Das nächste Highlight war auch ein ganz spezielles Rennen auf den Kanaren: das GranGuanche. Es sollte im Februar das erste Mal ausgetragen werden. Die Idee des Veranstalters war total gut: der Start erfolgte in La Graciosa, der kleinsten Insel der Gruppe oberhalb von Lanzarote. Nach dem Start auf Graciosa ging es quer durch über alle Inseln: Lanzarote, Fuerteventura, Gran Canaria, Teneriffa und La Palma. Und dazwischen musste man die Fähre erwischen, die einen zur nächsten Insel brachte. Man hatte die Wahl zwischen Rennrad, Gravelbike und MTB. Ich entscheid mich für das MTB und damit für die längste Strecke, mit dem Ziel in La Palma. Die anderen Kategorien endeten in La Gomera und El Hierro. Nun, auch dieses rennen wurde auf April verschoben – ich hoffe …

Im Juni 2021 starte ich beim legendären RATA (Race Across The Alps), meinem „Heimrennen“, da ich schon 4 x am Start war, das sollte eigentlich möglich sein (eigentlich?!?).

Und dann freue ich mich auf den Herbst: ein tolles Rennen ist das Badlands, 700 km mit dem MTB oder Gravelbike, absolut offroad durch die beeindrucktesten Landschaften im Südosten von Spanien, inkl. der Sierra Nevada.. Ein Blick auf die Homepage lohnt sich.

Der krönende Abschluss wird das AMR im Oktober sein.
Wenn das alles stattfand, und wir bei dem einen oder anderen Event finishen, war es ein gutes Jahr. Zumindest für die ambitionierten Radfahrer unter uns. Dann wissen wir auch ob wir die Performance aus dem Training wieder auf die Straße bzw. Schotter bringen. Ob sich das harte Training „gelohnt“ hat. Aber ganz ehrlich: zum einen tut es immer gut, sich zu bewegen und fit zu bleiben, und zum anderen freue ich mich eher wieder auf den sportlichen Austausch in einer „neuen“ Umgebung.

Und bei allem ach und weh im Jahre 2020 – der Wert einer robusten Gesundheit kann gar nicht hoch genug geschätzt werden! Ich bin mir sicher, dass es ein sportlich gutes Jahr wird, und ich nicht im August sagen muss: ok, dann halt das RAA… ;-).

Sportliche Grüße,